Irrrish Folk vom Feinsten
Paddy goes to Holyhead und Tone Fish heizen im Lalu ein

Von Ernst August Wolf HAMELN. Lange vor Beginn herrscht im Lalu drangvolle Enge. „Bei 500 haben wir Schluss gemacht, aber wir hätten locker doppelt so viele Karten verkaufen können“, sagt Stefan Gliwitzki von der Hamelner Band „Tone Fish“. Die hatte mit „Paddy goes to Holyhead“ für ihre dritte „Irish Night“ eine ganz besondere Band an Land gezogen. „Paddy“ stand schon mit den Dubliners auf der Bühne, hat „seit fast 30 Jahren in der Szene Kultstatus“, so Gliwitzki, und bereits zu Zeiten der alten Sumpfblume am Güterbahnhof Triumphe gefeiert. Zu Recht, denn auch das, was Paddy Schmidt und Uwe „Uhu“ Bender in der ersten Stunde auf die Bühne bringen, ist Irish Folk vom Feinsten, oder wie Paddy rollen würden: „Irrrish“. Mal derb und deftig, mal melancholisch, gibt’s mit Benders virtuosem Bassgitarrenspiel, vor allem aber durch die rauchige Whiskystimme von Paddy Schmidt Song auf Song, zum Zuhören, zum Mitklatschen – darunter Titel wie „Whisky-Man“ in der Melodie von Billy Joels „Piano Man“ oder die „Titanic“-Ballade. Insbesondere die Mundharmonika-Soli von Paddy lassen dabei die Fanherzen höherschlagen. „Der Erfolg ist auch immer vom Spielort abhängig“, sagt Schmidt in der Pause, „und der hier ist einfach toll, da stimmt alles.“ Riesenstimmung, Zugabe und lauter Applaus bereiten den zweiten Teil vor, in dem der Lokalmatador „Tone Fish“ mit seinem „Rat City Folk“ begeistert. Als Gastmusiker an Bord: Max Heckel an der Geige. Der ist eigentlich durch scharfzüngige Chansons und historisches Liedgut aus dem 19. Jahrhundert bekannt, stieß aber kürzlich auch zu „Tone Fish“. „Irish Folk, damit habe ich angefangen, da liegen meine musikalischen Wurzeln“, erinnert sich der Ostdeutsche. „Das ist eine wunderbar unbeschwerte Musik.“ Durch riesige Kopfhörer geschützt beim Konzert im Lalu mit dabei ist auch Heckels 18-monatige Tochter Merle. Klassiker und einige neue Titel, die auf der fünften Tone-Fish-CD enthalten sind, die im Mai herauskommt, wechseln sich ab. Mit dabei: Stings Kultsong „Englishman in New York“, aber auch Instrumentals wie „The Cash“. Bedient werden „auch typisch irische Sauf-, Seemanns- und Heimwehthemen“, sagt Gliwitzki über das Repertoire, aber eben auch Eigenkompositionen. In den vier Jahren ihres Bestehens hat sich „Tone Fish“ eine feste Fan-Gemeinde erarbeitet. „Wir sind immer noch unterwegs auf einer interessanten Reise“, so Gliwitzki auf die Frage nach dem derzeitigen Status der Gruppe. Die erfährt auch von Profis der Szene wie Paddy Schmidt höchste Anerkennung: „Sehr gut und differenziert, das ist mehr als bloßer Hau-Drauf-Irish Folk.“ „Tone Fish“ lässt vor allem durch den Gesang von Michaela Jeretzki und die Flötensoli von Bianca Kaup, unterstützt von Jonas Peters am Bass und dem fulminanten Drummer Jochen Siepmann rundum begeisterte Zuhörer zurück. Dass sie diesmal mit einem Großen der Irish-Folk-Szene an den Start gehen konnten, haben sie sich ehrlich verdient. Und es geht weiter – der Vorverkauf für die vierte Irish Night in einem Jahr läuft bereits… Dewezet 20.11.17