Leipziger Pfeffermühle steigert sich im Lalu besonders bei rasanten Rentnernummern

 

Hameln. „Mit zunehmender Dauer wurden sie immer besser. Das war richtig gutes Kabarett!“ Michael Drewitz sind die Lachfältchen noch ins Gesicht gezeichnet, als er die Traumfabrik Lalu im Hefehof nach dem Auftritt der Leipziger „Pfeffermühle“ verlässt. Und er hatte guten Grund dazu, denn die blendend aufgelegten Franziska Schneider, Matthias Avemarg und Frank Sieckel nahmen sie alle aufs Korn – die Immobilienhaie, die Finanzjongleure, die aktuellen und die zurückgetretenen, und auch die korrupten Politiker, die Rentner, die Smartphone-Telefonierer, die Niederländer und natürlich die Griechen und die Südeuropäer überhaupt. „Gott lässt die Alpen dort stehen, wo sie stehen, damit wir die im Süden in Ruhe lassen und die uns auch. Da soll doch zusammenwachsen, was nicht zusammenpasst!“ Und bitten die Griechen: „Bitte liebe Freunde in Griechenland, bleibt, wie Ihr seid. Aber verlasst Euch drauf: Wir sind pünktlich!“

Nun gut, der Auftakt mit den Immobilienhaien, den 500-Quadratmeter-Lofts und dem Hubschrauberlandeplatz für zehn Mille im Monat war nicht mehr ganz originell, aber die Idee des „mobilen Wohnens im Regionalexpress“ oder des „Berufswohnens auf 450-Euro-Basis“ ohne Heizkosten und Gebühreneinzug fürs Fernsehen war schon sehr bitter. Ein wahres Jammertal boten die Pfeffermüller mit dem Stabsmusikkorps der Bundeswehr, das sich selbst bedauerte, weil es „seit 25 Jahren für das Gesocks spielen muss, das unsere Regierung einlädt: Berlusconi, Bush und all die anderen“. Und schlimm, dass man als Stabsmusiker dann auch noch ständig Zapfenstreich für zurückgetretene Verteidigungsminister spielen muss: Struck, Jung, zu Guttenberg, um nur einige zu nennen. Schröder, der „Genosse der Bosse“ habe sich Brecht gewünscht. „Aber das ist doch so, als ob die katholische Kirche zum Konklave Margot Käßmann einlädt.“ Besonders heftig beklatscht wurden die Rentnernummern: „Wir können uns kein Kind leisten, wir haben einen Rentner.“ Und sterben will der mit seinen 78 Jahren auch noch nicht, obwohl seine Lebenserwartung doch bei nur 77 Jahren liegt. Schlechte Aussichten für die junge Generation. „Mein Vater ist schon 104 und noch kerngesund.“ Kein Wunder, dass die RAF, die Rentnerarmeefraktion vom GU, dem Aktionskomitee des Geriatrischen Untergrunds, begeistert singt: „We are the Champions – wir sind die Rentner“, die mit ihren Rollatoren in Berlin die Autobahn blockieren, den Plenarsaal des Bundestags besetzen und auf der Toilette links mit „Hakle feucht“ und rechts mit „Henkel trocken“ abprotzen.

Um Holland tut es den Akteuren nicht wirklich leid, wenn die Gletscher schmelzen, denn erstens „sind die dann Schnee von gestern“, und zweitens „ist es doch schön, wenn wir Sandburgen vor Aachen bauen können“. Und was ist der Unterschied zwischen einem Türken und einem Holländer: „Der Türke macht sich nützlich, der Holländer kann nicht mal Auto fahren.“ Zum fast schon guten Ende hieß es „Life ist Life, ich bin reich“, dann aber auch noch Mick Jaggers „Angie“, auf Sächsisch übersetzt „Ongela“.

Die Pfeffermüller dürfen wieder kommen, dessen waren sich die Besucher im Lalu am Freitagabend ganz sicher. Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr ist wahrlich zu bedauern, meinen die Leipziger Pfeffermüller: „Seit 25 Jahren müssen die Musiker für das Gesocks, das unsere Regierung einlädt, spielen – und dann auch noch ständig Zapfenstreich für zurückgetretene Verteidigungsminister.“

Von Wolfhard F. Truchseß

Dewezet 23.02.2015