Bei den Zugaben rennt an diesem Abend niemand aus dem Saal

Jazzige Traumreise am HefeHof: Das Berliner Quartett Yakou Tribe erzählt von anderen Ländern und anderen Sitten

Von Nadja Bähr

Hameln. Die Bühne ist in rotes Licht getaucht, die Stimmung entspannt, die Musik verträumt bis groovy. Das Quartett Yakou Tribe verwandelt das Lalu am Freitag in einen coolen Jazzclub – wie das „A-Trane“ oder „Quasimodo“ in Berlin, woher die Band kommt. Die vier Musiker sind perfekt eingespielt, jeder steht mit seinem Instrument passagenweise im Mittelpunkt. An diesem Abend hört man guten, alten Jazz – mal schwungvoll, mal verträumt, gewürzt mit Elementen aus Funk, Latin, Ethno und sogar Folk oder Rock. Klassische Jazz-Kompositionen wie „Mac Guffin“, „Boogaloo“ oder „Round“ stammen vom Album „Rituals“. Die andere Hälfte des Programms gehört zum neuen Album, mit dem die Band Anfang 2013 auf Tour geht.

Yakou Tribe gibt es seit den späten 90er Jahren. Die Musiker lernten sich in Berlin während des Studiums kennen: Saxofonist Jan von Klewitz, Gitarrist Kai Brückner, Bassist Johannes Gunkel und Schlagzeuger Rainer Winsch. Jeder von ihnen schreibt Stücke für die Band, jeder hat musikalisch andere Themen – das macht die Vielfalt ihrer Musik aus, die trotz vieler Farben und Elemente anderer Genres immer eines bleibt: Jazz. Jede Komposition ist überraschend anders, schafft eine dichte Atmosphäre. Jedes Stück zaubert eine neue Stimmung oder erzählt eine Geschichte. Die große musikalische Erfahrung hört man dem Quartett an.

Neben Auftritten in Berliner Jazzclubs und Kulturvereinen sind die Musiker deutschlandweit live zu hören. „Eine Berliner Band sollte nicht zu häufig in Berlin auftreten“, sagt Bassist Gunkel lächelnd. Yakou Tribe ist viel herumgekommen: Mit dem Goethe-Institut war die Band in Indonesien und Indien auf Tournee. „Dort sind Zugaben nicht üblich. Die Leute stehen sofort nach dem letzten Song auf und verlassen den Raum“, erzählt Schlagzeuger Rainer Winsch. „Das hat uns zunächst ganz schön irritiert“. Im Lalu sind Zugaben üblich. Zum Glück für das Publikum.

Dewezet 30. April 2012