Dewezet-Nachtausgabe mit Desimo im Lalu / Zuschauer staunen am Ende „magische Bauklötze“

Eine Entführung in die Welt des Sinnlosen

Von Peter Höxter Hameln.

Was ist er eigentlich? Philosoph, Kabarettist, Comedian oder Magier? Desimo ist alles –unerklärlich wie sein Programm und dabei unglaublich gut. „Ich bin so herrlich unangepasst“, beschreibt er sich selbst, während er das Publikum im voll besetzten Lalu in seinen Bann zieht. Er braucht kaum Kulisse, ein wenig Absperrband genügt, um aufzuzeigen, dass man Verbote überschreiten oder unterwandern kann. Oder? Ja, wie hat er das jetzt nur gemacht? Einfach durch sie hindurchschreitet. Er philosophiert gemeinsam mit dem Publikum über Alltagsprobleme wie „Warum frisst die Waschmaschine meine Socken?“ Und bietet Lösungen an: „Kaufen Sie einfach drei gleiche Socken, dann langt es nach dem Waschen noch.“

Dann erklärt er die These, dass mittels Quantensingularität die verschwundene Socke in ein Paralleluniversum teleportiert würde. Das zeichnet ihn aus, Humor mit Augenzwinkern und Niveau. Patrik Fromm und Sven Brostedt aus Hessisch Oldendorf sind begeistert. Schade, dass es selten so gute Comedy in Hameln gibt. Wie so viele, kennen und schätzen sie Desimo. Auch einer der besten Hamelner Magier, „Bernardi“, der ihn noch als Moderator von „Halli Galli“ bei SAT.1 erlebt hat, amüsiert sich prächtig: „Es ist schwer, rund um einen Zaubertrick auch noch eine so gute Show zu arrangieren“, meint er anerkennend. Kindheitserinnerungen werden wach, wenn Desimo darüber sinniert, warum man sich die Haare bei einem Shampoo für trockenes Haar überhaupt nass machen muss. Haben wir das nicht alle schon einmal überlegt? Mit der Verwaltungstrilogie „Verfilzung, Vergeudung, Vertuschung“ und der Erkenntnis, dass Kinder etwas, was sie nicht sehen, auch vorsichtig behandeln, die NATO es aber im Zweifel lieber kaputtmacht, kommt ein Funke politischer Farbe ins Spiel. Das wichtigste Thema der Menschheit wird natürlich auch nicht ausgelassen: Fußball! Was hatte es mit dem ominösen Zettel von Torwart Jens Lehman im Stutzen auf sich, mit dessen Hilfe er das Elfmeterschießen im WM-Viertelfinale gegen Argentinien entschied?

Desimo beweist dem Publikum mithilfe der Zuschauerin Simone, dass es mit dem richtigen Zettel sogar fünfmal klappen kann, die richtige Ecke zu wählen. War Desimo etwa auch bei der WM? Kleine süffisante Spitzen allenthalben: „Wenn ich Kahn wäre, hätte ich Dir jetzt ins Ohr gebissen, Simone.“ In seinem fast zweistündigen Programm folgt ein Highlight dem anderen. Seine Sportmoderation aus dem Kreißsaal bei Kaiserschnittwetter, die Heimmannschaft der Ärzte in traditionellem Grün, die Gäste in aschfahl, strapazieren die Lachmuskeln aufs Äußerste. „Nach gekonntem Pressing durch die Abwehrreihen der Ärzte ist er durch, jaaaa er ist raus. Aber war da etwa noch der Arzt mit der Hand dran?“ Unterhaltsamer kann eine Geburtsbeschreibung kaum sein.

Doch auch Lachen hat seine Risiken: Denn was passiert, wenn sich jemand an einem Abend zweimal halb totlacht? Fragen über Fragen, unerklärlich wie das Motto der Show. Ob letzte Woche im Quatsch-Comedy-Club oder bald bei den Wühlmäusen in Berlin – Desimos neues Programm ist gefragt, und auch die Zuschauer der Dewezet-Nachtausgabe können nicht genug bekommen und staunen am Schluss sogar „magische Bauklötze“.