Gilbert Giebel und Birgit Höller organisieren vierte „takeART“

„Seelennahrung“ im HefeHof

Von Ernst August Wolf Hameln.

„Wenn man die ganze Kommerzialität mal weglässt, dann ist auch die vierte ,takeART’ wieder ein Erfolg“, erklärt Verleger Gilbert Giebel und lächelt verschmitzt. Zusammen mit seiner Partnerin Birgit Höller hat Giebel erneut das Kunststück fertiggebracht, eine bemerkenswerte „Kunstmesse“ auf die Beine zu stellen, ohne dabei allzu sehr in die roten Zahlen zu geraten. Bemerkenswert allein schon der die Veranstaltung illustrierende Katalog, der mit großformatigen Kunstdrucken sowie aussagekräftigen Texten den Besuchern die Arbeiten der 15 Aussteller erschließt. „Das Einzugsgebiet ist geblieben und reicht von Berlin über Köln, Hildesheim über Bielefeld bis Paderborn“, so Birgit Höller.

Aus der westfälischen Domstadt etwa kommt die 62-jährige Agnes Laumann, deren Holzarbeiten beim vorbeischlendernden Publikum rege Beachtung finden. Laumann, die am liebsten Obsthölzer verarbeitet, will „ganz die Natur sprechen lassen“ und beschränkt ihre künstlerischen Eingriffe ins Material daher auf ein Minimum. „Ich will dem lieben Gott ein bisschen helfen, ein Kunstwerk zu machen“, so die Künstlerin. Ein Birnenholz-Engel schwebt himmelwärts gleich neben einem mit Stahlstiften inwändig verklammerten Kreuz – oder ist es doch nur ein kreuzähnlicher Baumtorso? Die Zugänge zu Laumanns Arbeiten sind vielgestaltig, die Paderbornerin lässt bewusst Platz für ganz unterschiedliche Interpretationsansätze. Eindeutiger dagegen gleich gegenüber die Airbrush-Arbeiten der Langenhagenerin Jutta Endres. Sie ist Stammgast bei der „takeART“ und findet gleichfalls großes Interesse bei den Besuchern. Die sind fasziniert vom überaus plastisch wirkenden Spiel von Licht und Schatten von Endres’ Bildern, gleich, ob Stillleben, Tiermotive oder Porträts.

In jeden Fall seien eine äußerst ruhige Hand und jede Menge Ausdauer und Geduld vonnöten, bis etwa die Zebras ihre endgültige Form gefunden hätten. „Gut 30 Stunden brauche ich dafür“, verrät die Langenhagenerin. Am liebsten sei ihr momentan die „Königsklasse der Kunst“, die Porträtmalerei. Erstmals mit dabei bei der „takeART“: die jungen Künstler der in der „Begabungsförderung Kunst“ des Landkreises zusammengefassten Jugendlichen, die direkt vor dem Lalu ihre Werke präsentieren. „Toll, dass die drei Gymnasien sich hier mal zusammengefunden haben“, freut sich Gilbert Giebel. Statt „langwieriger Diagnoseverfahren“ habe man hier den Nachwuchs einfach mal machen lassen. „Und das Ergebnis kann sich doch sehen lassen, oder?“ meint auch Anne Preuß, eine der Initiatorinnen der „Kunstbegabungsförderung“. Zusammen mit dem Pianisten Peter Weber umrahmte die Pädagogin auf dem Saxofon die vierte „takeART“ musikalisch, setzte mit ihren Rhythmen damit auch die Acryl-Folien-Bilder von Marlis Frintrop ins rechte Licht.

Die sind durchscheinend, ähneln der Glasmalerei. „In jeden Fall ein Blickfang in jedem Wintergarten“, ist sich die Künstlerin sicher. Kunst sei „Seelennahrung“, meinen Giebel und Höller, und die wollten sie den Besuchern der „takeART“ bieten. Ein Anspruch, der mit viel Engagement und Mühe in den von Sabine und Dr. Jobst Walter Dietz zwei Tage lang zur Verfügung gestellten Hefehof-Räumlichkeiten rundum eingelöst wurde. „Im nächsten Jahr wieder“, sind sich Giebel und Höller daher sicher, „denn einen solchen Zusammenklang von Gespräch, Malerei, Buch- und Kunstdruck, Skulpturen, Musik und einem guten Glas Wein, den findet man sonst im Spektrum der Kunstausstellungen der Region nirgends.