Wenn die künstlerische Fernbeziehung eine Generalprobe verbietet

Im elften Jahr sorgen Traute Römisch und Rainer Steinkamp mit ihrer Weihnachtslesung für ein voll besetztes Lalu – mit gelungenem Programm

Von Alda Maria Grüter Hameln.

Kaum hat der Sommer begonnen, klopft schon Weihnachten an die Tür? „Ja“, sagt Traute Römisch, „dann geht die Suche los.“ Wo auch immer sie fündig werde – ob bei einem Abstecher in eine größere Stadt, beim Durchstöbern von Buchhandlungen nach originellen Weihnachtsgeschichten oder bei der Zeitungslektüre: Die Ideen rieseln schon Monate vor der Lesung ein. Denn, obwohl einem bewährten Muster folgend: Dem Publikum soll kein zweiter Aufguss, dafür eine mit neuen Inspirationen gewürzte Weihnachtslesung serviert werden. Und da decken sich Name und Programm: Das Ganze geschieht nämlich alle Jahre wieder. So weit plausibel, die längere Vorbereitungszeit auf den vorweihnachtlichen Geschichtenabend, den Traute Römisch und Rainer Steinkamp schon im elften Jahr auf die Bühne bringen.

Wie aber das Programm – auch diesmal ein gelungenes – bei einem Duo zustande kommt, das eine künstlerische Fernbeziehung führt – das wirft Fragen auf: sie in Hameln, er als Theater-Intendant in Wolfsburg. Und, wie Traute Römisch vor der Lesung im voll besetzten Lalu verrät, gibt es nicht einmal eine Generalprobe. Als eingespieltes Team müsse man nicht penibel von Schritt A bis Z alles durchplanen, erklärt sie. Hat man sich erst einmal auf die einzelnen Stichworte und die Mosaiksteine, also die Texte, geeinigt, die jeder für sich probt und die man auch mal in Hameln, mal in Wolfsburg bespricht – dann läuft die Sache. In der Schlussphase schalten sich die beiden per Telefonkonferenz zusammen.

Den allerletzten Feinschliff erarbeiten sie kurz vor der Aufführung. Und schließlich spielt die Improvisation ja auch noch eine Rolle – wobei auch das Publikum selber Originelles liefert. Das Risiko, dass es mal schief geht, sei immer dabei – und ein enormes Bauchgrummeln auch: „Aber wir hoffen einfach, dass der andere richtig reagiert.“ Und siehe da: Lesung Nummer elf läuft wie am Schnürchen. Der rote Faden: Sie will singen, er nicht. Sie will im „Trallala-Part“ die Nasenflöte spielen und das Publikum ein Weihnachtslied auf Kämmen blasen lassen. Und er – wie Stimme und Mimik deutlich machen – ganz und gar nicht davon begeistert – zieht den Kürzeren. Aber wie war das noch: Galt diesmal nicht: „Neue Texte, neue Sitten?“ Und hat Rainer Steinkamp daher nicht gleich zu Beginn der Lesung versprochen, „durchgehend nett zu sein“? Nun, ja, so ganz ohne verbale Rangeleien wär’s alle Jahre wieder nur halb so schön. Fehlen durften auch nicht viele neue Geschichten von launig über rührend, besinnlich, nachdenklich stimmend bis bitterböse. Und mal auch sehr aktuell, wie die Story von Maria, Josef und dem Jesuskind im Stile einer DPA-Meldung: „Säugling in Stall gefunden – Polizei und Jugendamt ermitteln – Schreiner aus Nazareth und unmündige Mutter vorläufig festgenommen.“ Ironisch und sehr unterhaltsam: die Parallele zwischen der Geschichte mit den liebenswerten wie schusseligen alten Heimbewohnern und der „in die Jahre gekommenen“ Weihnachtslesung… Dewezet 13.12.2010