Gedränge und Gedudel sind ihnen ein Graus

Ladenbetreiber glauben an den HefeHof

Von Alda Maria Grüter Dewezet Hameln.

Keine Frage, das rote Backsteingebäude beeindruckt Kunden, Geschäftsleute und Mitarbeiter gleichermaßen. „Das äußere Erscheinungsbild des Hauses hat uns sehr inspiriert“, sagt Weinhändler Dietmar Strecke. Schon während der Umbauphase habe er es kennengelernt: das „HefeHof-Center“. Vor zehn Jahren zog Strecke mit seinem Weinhandel in den HefeHof ein – und blieb. Wie das Ristorante Toscana, der Bioladen, die Backstube Siebrecht sowie der Ticket-Kartenvorverkauf, die Hamelner Ballettschule und die Firma Opp Tec. 20 Mieter sind derzeit im HefeHof ansässig; 80 Mieter sind es auf der gesamten Fläche.

„Die Fluktuation ist über die zehn Jahre relativ gering“, sagt HefeHof-Chef Dr. Jobst-Walter Dietz. „Leerstände haben wir zum Glück ganz wenig.“ Nur zwei 150 Quadratmeter große Büroräume seien im Moment frei; Mietanfragen gebe es permanent. Dass die Geschäfte brummen, scheint aber beim Blick hinter die schöne Fassade nicht unbedingt auf Anhieb nachvollziehbar. Am Abend, da geht es lebhaft zu, wenn in der Lalu-Traumfabrik gefeiert wird. Wer hingegen am Tag durch die Einkaufspassage geht, dem fällt die Leere auf: Die Geräuschkulisse ist gedämpft, hier und da entdeckt man in dem schummrig beleuchteten Gang einzelne Kunden. Das, erklärt Dietz, sei so gewünscht. „Wir wollen eben kein Mini-ECE sein.“

Andererseits: Wo die Massen nicht vorhanden sind, da dürfte auch die Laufkundschaft und damit die Anzahl an Käufern geringer sein. Tatsächlich jedoch geben die Geschäftsleute keine negativen Einschätzungen von sich. „Es kommt ja nicht darauf an, dass ständig Hochbetrieb ist. Wer zu uns kommt, der kommt, um gezielt einzukaufen“, sagt Ursel Meyer-Bothling, Vorsitzende des Vereins Kassiopeia. Die Stimmung sei angenehm, ermögliche entspanntes Arbeiten und persönliche Kundengespräche.

Die verschiedenen Läden in unmittelbarer Nähe sind offensichtlich ein Grund, um sein Auto Richtung HefeHof zu lenken: „Wir können mehrere Besorgungen verbinden: Erst erledigen wir den Lebensmitteleinkauf, dann geht’s ins Gartencenter und danach kann man noch in Ruhe einen Kaffee trinken oder essen gehen“, sagt Robert Nemitz, der mit Sohn Julius im Bioladen nach frischem Gemüse Ausschau hält. Über „Leerlauf“ kann Anke Todte, seit neun Jahren Verkäuferin in der Backstube Siebrecht, nicht klagen. Während Weinhändler Dietmar Strecke nach eigenen Angaben sich mit einem festen Kundenstamm am HefeHof etabliert hat, sind einige Geschäfte abgewandert. So Piano-Zimmermann: „Ein Klavier kauft man sich ja vielleicht nur einmal im Leben – wir müssen also immer wieder neue Kunden akquirieren“, sagt Hans-Martin Zimmermann. Als der Klavierbauer 2001 in den HefeHof einzog, hatte er sich eine gute Kundenresonanz ausgerechnet. Als aber die „Ankermieter“ auszogen, die Branchen sich verschoben und die Kundenfrequenz sank – in dieser neuen Situation habe das Klavierhaus am Standort HefeHof auf längere Sicht nicht überleben können. Der Auszug der Sparkasse sei seiner Meinung nach „die Initialzündung“ gewesen, es folgten weitere Geschäfte. 2007 verließ Zimmermann den HefeHof, führt seitdem einen Laden am Kastanienwall.

Dass das ursprüngliche HefeHof-Konzept nicht unproblematisch war, räumt Jobst-Walter Dietz ein. Zwei Jahre sei es gut gelaufen, das Vorhaben, im HefeHof ein „Mini-Stilwerk“ nach Hamburger Vorbild zu etablieren. Doch dann traf eine Konjunkturkrise die Branchen hochwertiger Konsumgüter, das Projekt scheiterte. Die Kaufkraft für ein Designer-Sortiment sei in Hameln zu eingeschränkt gewesen sei, so Dietz. Letzteres Argument indes will ein ehemaliger Mieter, der namentlich nicht genannt werden möchte und nach dem Auszug aus dem HefeHof sein Geschäft an einem anderen Standort in Hameln eröffnete, nicht gelten lassen. Es habe vielmehr eine Reihe verschiedener anderer Gründe gegeben, die schließlich zur Abwanderung einiger Geschäftsleute führten: So seien etwa die Eingänge zum HefeHof schlecht zu finden gewesen, und man habe ihn und andere Geschäftsleute in puncto Werbung allein gelassen.

Und das modifizierte Folge-Konzept aus Geschäften und Büroräumen, aus Kunst und Kultur unter einem Dach – ist es aufgegangen? Der HefeHof punkte mit einem besonderen Ambiente, mit einer ruhigen Einkaufs- und Verweil-Atmosphäre, sagt Dietz. „Mit dem Branchenmix sind wir zufrieden. Es ist eine gute Zusammensetzung.“

Dewezet 04. Mai 2010