Politische Salatvariationen

Gut gewürzt: Die „Wilden Weiber“ mit knackigem Kabarett im Lalu
Von Alda Maria Grüter
@DEWEZET.de Hameln 21.04.09.

Die tatkräftige Witwe mit dem korpulenten Format kommt bieder daher, ganz in schwarz. Und die andere der „Weiber“ personifiziert das Verklemmte schlechthin. Allein der geblümte Dress! Mehr Kittel denn Kleid und – es umspielt tugendhaft die Knie der ehrenwerten Dame. Was bitteschön ist denn „wild“ an den optisch betrachtet alles andere als scharf anmutenden „Wilden Weibern“? Die Gäste, die sich diese Frage gestellt haben, sollten nicht lange auf eine Antwort warten. Denn, wie mit der Tür ins Haus, fallen Lisbeth (Dea Drews) und Alma (Uta Schutte) mit viel Klimbim und uriger Komik in den Hefehof. Stürmen los, und lassen es krachen: Mit vollem Körpereinsatz und vollmundigem Wortwitz. Wie verrückt kämpfen die schrulligen Ladys aus dem Ruhrpott mit den Tücken der Objekte, die sie zum Picknick an den Rhein-Herne-Kanal schleppen. Hampeln auf (Karriere-)Leitern und Klappstühlen, mischen sich unter das Publikum und meistern den Spagat zwischen Blödelei und intelligentem Kabarett. Kaum haben sie die Bühne betreten, streuen sie pikante Würze in ihre politischen Salat-Variationen. Die stammt nicht nur aus fernen Ländern: „Schlammlöcher“, ruft Lisbeth und stolpert in eine der Senken, die das Ufer „pflastern“. „Wenn das der Lippmannschen ihr Kanal wäre, dann wäre hier Granit!“

Ob es um schwindelfreie Politiker geht (also die, die nicht frei sind von Schwindel), um die ach so „sensebilen Männer“, Promis wie Boris Becker, Bioprodukte oder den Klimawandel samt „Ozeronloch“ – wenn Putzfrau Lisbeth und Gemeindeschwester Alma aus dem täglichen Leben plaudern, schöpfen sie aus dem Vollen. Dabei hüpfen sie thematisch von Höckchen auf Stöckchen. Was manchmal ein bisschen einfältig klingt, entpuppt sich als scharfzüngige Kritik. Deutlich knackiger: der zweite Programmteil Der rote Faden im Programm „Jetzt oder nie“: „Nix wie weg“. Wenn’s bloß so einfach wäre, den richtigen Ferienort zu finden. Schließlich das Happyend für das sonderbare Gespann: eine zufriedenstellende Lösung für die Urlaubsplanung. Was erfreulicherweise gelingt – vor allem im knackigeren zweiten Teil des zweistündigen Kabarett- Abends: dass sich die „Weiber“ nicht in einer Endlos- Schleife festquasseln.