Von schwulen Hunden und Sex am Telefon

Von Karin Rohr Hameln.

„Mein Hund ist schwul, die dumme Sau, er macht nicht Kläff, er macht nur Wau...“, schallt’s in lupenreinem A-cappella-Gesang von der Bühne. Halt, das sind doch....? Nein, das sind n i c h t die Prinzen. Sondern die Medlz. Die kommen aus Dresden und haben es genauso drauf wie die Jungs aus Leipzig. Und, ja, sie singen den A-cappella-Hit der Prinzen bei der „Nachtausgabe“ im „Lalu“: „Den haben wir von den Prinzen geerbt“, erzählen die fünf Medlz. Es ist ein Fest, den Stimmen von Lydia, Mary, Bine, Silli und Nelly zu lauschen: Klar, präzise, modulationsreich und perfekt im Zusammenklang, meistern die fünf Sängerinnen schwindelerregende Höhen ebenso mühelos wie dramatische Tiefen. Mal keck und herausfordernd, mal düster und tragisch, setzen sie stimmgewaltig Stimmungen in Szene, die bei den Mädels und Jungs im Publikum gleichermaßen gut ankommen. Auch wenn letztere immer wieder mal ihr Fett abkriegen.

Boshaftigkeiten und Schwärmereien

„Sag’ mal, gibt’s dich auch in Schön? Sag’ mal, gibt’s dich auch in Nett? Sag’ mal, gibt’s dich auch in Klug? Ich hab’ echt von dir genug!“ Die Texte der Medlz sind selbstbewusst, frech und aufmüpfig, voll kleiner Boshaftigkeiten oder mädchenhafter Schwärmerei: „Wer ist er“, „Er küsst so gut“, „Unser Jahr“ – meistens geht’s um Beziehungskisten, wenn die Medlz kein Blatt vor den Mund nehmen, sich über „Sex am Telefon“ auslassen oder den Lover nach einem One-Night-Stand kurzerhand in die Wüste schicken. Hier gibt’s kein überdrehtes Anspruchsdenken, keine verschlüsselten Botschaften, keine pseudointelligenten Phrasen. Hier ist alles wie im wirklichen Leben. Echt. Und zu Herzen gehend wie der viel zu spät entdeckte „Paps“: „Du bist so neu in meinem Leben.“

Die fünf Dresdnerinnen, die schon im „Philharmonischen Kinderchor Dresden“ zusammen gesungen haben, sind ein perfektes Team: Sie ergänzen sich so virtuos, dass sie a cappella zur echten Kapelle werden: Die Instrumente für den rhythmischen Klangteppich unter den Stimmen werden gleich mitgeliefert. Der Sound ist unglaublich bandmäßig, aber: „Nein, der Bass kommt nicht vom Band“, klärt Bine auf: „Er ist mundgemacht und wird dann zwei Oktaven runtergespielt.“ Das gilt auch fürs Echolot beim „Boot“-Soundtrack: Alles – bis auf ein paar zarte Klänge am Flügel – wird bei den Medlz mit dem Mund gemacht, egal, ob sie sanft säuseln oder es rockig krachen lassen. „Aufgetaucht“ heißt das Lied am Ende dieses umjubelten Konzertes im ausverkauften „Lalu“: Gut so. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Medlz so schnell nicht wieder abtauchen... Ihre Musik erinnert an die Leipziger Band Die Prinzen: Die fünf Medlz aus Dresden aber haben im A-cappella-Gesang durchaus ihren eigenen Stil entwickelt und begeisterten bei „Nachtausgabe“ im ausverkauften „Lalu“mit ihrer Vielseitigkeit.
Dewezet 18.08.2009