Reden ist Silber – Singen hingegen pures Gold

Auf hohem Niveau: Anna Leman im Lalu

VON ALDA MARIA GRÜTER
28. April 2009 Hameln.

Sympathisch war er, keine Frage, der natürliche Charme der blonden „Kieler Sprotte". Mühelos hätte Anna Leman damit punkten können von der ersten Minute ihres gut zweistündigen Konzerts bis zum letzten Ton der Zugaben — wäre da nicht die Sache mit der Moderation gewe¬sen. Denn die Pausen zwischen den Stücken verbal zu überbrücken — so etwa, den Konzertgästen kurze werk¬technische Einblicke zu gewähren und bei aller Information möglicherweise noch ein Mindestmaß an Unterhaltung zu bieten — gelang der Sängerin an vielen Stellen eben nicht. Man könnte es ungekünstelte Eigenmoderation nennen oder — mit Verlaub — schlichtweg flach. In nicht we¬nigen Ohren klang das Reden streckenweise denn bloß als Silber. Das Singen hingegen umso mehr als glanzvolles Gold — und das durch die Bank weg. Ausgiebig Applaus gespendet Auch die dreiköpfige Band um die Frontfrau überzeugte — ob als Teil des harmonischen Gefüges aus Gesang und Instrumentalbegleitung oder als Solisten. Auf musikalisch hohem Niveau bewegten sich die Töne, die Christian Döpke (Piano), Chris Lachotta (Bass) und Wolfgang Peyerl (Drums) den Instrumenten entlockten und für die das Pubblikum gerne und ausgiebig Applaus spendete. Da hatte es sich wahrlich gelohnt, dass Hausherr Dr. Jobst-Walter Dietz nicht locker gelassen hatte, und es ihm nun nach eineinhalbjähriger Korrespondenz gelungen war, die Münchner Jazz-Band in den Hefehof zu holen. Ein großes Maß an Authentizttät Breit das musische Spektrum der Vier, und was der kleine Kreis von Jazz-Freunden zu hören bekam, war kein Mix aus neu arrangierten, bekannten Stücken: Musik und Texte (deutsch und englisch) stammen ausnahmslos aus der Feder von Anna Leman. Gesanglich bewies die gebürtige Kielerin, die seit ihrer Kindheit in Konzertsälen zu Hause ist, ein großes Maß an Authentizität. Und Ausdrucksvielfalt. Die reichte von keck über sexy bis hin zu poetisch- verträumt und melancholisch. Bei „Sommer auf der Haut" wurde die gefühlte Tempera¬tur um einige Grade heißer im Lalu, wunderbar träumen ließ sich zur balladesken „Mondstunde", die übrigens auch in englischer Version zu hören war. Nicht nur bei dem Lied, das die Spuren in der Nacht besingt, dürfte Anna Leman selber ebensolche beim Hamelner Publikum hinterlassen haben. Und zwar so nachhaltig, dass Jobst-Walter Dietz ihr für das kommende Jahr einen weiteren Auftritt im Lalu zusagte.