„Stellen Sie sich uns am Strand vor“: A-cappella-Band „The House Jacks“ aus San Francisco gastierten im Lalu

Alda Maria Grüter © Dewezet 23. Mai 2008 Hameln.

 Nichts gegen den kleinen grünen Kaktus. Soll der weiterhin seinen luftigen Standort auf dem Balkon behalten. Und auch seinen wohlverdienten Platz als ein sehr beliebter A-cappella-Klassiker. Doch dass aus menschlichen Kehlen weitaus mehr sprießen kann als die landläufig bekannten musikalischen Blüten, demonstrierten die House Jacks auf höchst hörenswerte Weise am Donnerstagabend im Lalu: Musikalisch dem A-cappella-Genre zugehörig, verblüffte die Band mit einer gänzlich ungewöhnlichen Bandbreite jener Musik, die gerade ohne Instrumente absolut vollmundig klingt. Hübsch anzuschauen, waren die fünf Boys aus San Francisco allemal. Weswegen denn während des gut dreistündigen Konzerts das überwiegend weibliche Publikum (wie könnte es auch anders sein…) immer wieder aus dem Häuschen geriet. „Stellen Sie sich uns am Strand vor“, empfahl Austin Willacy den Gästen gleich zu Beginn. Keine Frage, Entertainment war eine ihrer Stärken. Und damit gab der Sänger, aus dessen Feder „Thread“, „Dirt“ und „All of my Life“ stammt, die Richtung der Bühnenshow vor, die mit viel Witz und Humor das Stimmungsbarometer gewaltig anhob. Im Übrigen waren fast alle Stücke – eine Mischung aus Rhythm’n Blues, Pop und Funk – Eigenkompositionen. Und die groovten gehörig. Dass die Band dabei auf E- und Bass-Gitarre, Drums, Trompete und Saxophon verzichten kann, verstand sich von selber. In einer schier endlosen Aneinanderreihung von Konsonanten wurden Laute ins Mikrofon gezischt, gejault, genäselt, gebrummt, gehämmert, gestöhnt, geröhrt und gehaucht. Wer die Augen schloss, könnte glatt meinen, echte Instrumente zu hören. Unschlagbar, was Neu-Zugang Jake Moulton an „Mouth-Percussion“ raushaute, unglaublich die Töne, die Antonio Medrano und Deke Sharon den Luftgitarren entlockten. Stimmlich Klasse: Roopak Ahuja (“Roo“), Austin Willacy und Antonio Medrano, der die Bässe so tief brummte, als hätte er einen dicken Bären verschluckt. Auf Zuruf erfüllten die House Jacks auch eine ganze Reihe von Songwünschen aus dem Publikum – die Abstimmung darüber, was gecovert werden sollte, war dabei die übrigens einzige „politische“ Einlage in der mit „Get down, Mr. President“ betitelten Show. Mitunter konnten die House Jacks nicht die Finger lassen von witzig-bösen Anspielungen: Bei „Purple Rain“ von Prince ging Roo vor dem Publikum auf die Knie, Deke Sharon – in der Gesangsrolle von Joe Cocker – entleerte eine Flasche über seinem Kopf, und bei „Light my fire“ von „The Doors“ taumelte, räkelte und schlängelte sich gleich die ganze Truppe, die Augen wie im Delirium verdrehend, über die Bühne. Zum gefühlvollen, ruhigen Schluss hieß es: „Stecker raus“: „Wunderschön unplugged erklang „Sweet Georgia“ – ja, da hatte der kleine grüne Kaktus einen wirklich guten Freund...