Bekennende Nostalgiker im „Lalu“: „The Toughest Tenors“

Ausflug in eine goldene Jazz-Ära

Bekennende Nostalgiker im „Lalu“: „The Toughest Tenors“
Von Jürgen Schoormann Hameln.

Drei Jahrzehnte lang hatte die Trompete den Jazz dominiert. Dann brach die große Zeit des Tenorsaxophons an: In den 50er und 60er Jahren war es das Jazzinstrument schlechthin. Kein anderes gestattet eine solche Individualisierung des Klangs, anders gesagt: Kein Tenorsaxophonist klingt wie der andere. Die Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten, scheinen unendlich. Bereits in der Swing-Ära begann der Siegeszug des Tenorsaxophons, und er dauerte, bis in der zweiten Hälfte der 60er Jahre die Gitarre und die elektronisch aufgerüsteten Instrumente ihm den Rang streitig machten. „The Toughest Tenors“ aus Berlin zeigten sich im gut besuchten „Lalu“ im Hefehof als bekennende Nostalgiker, aber durchaus mit eigenem Profil, mit viel Liebe zum Repertoire der großen Tenoristen, wie Dexter Gordon, Wardell Gray, Johnny Griffin und Eddie Davis. Mehr als ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit diese Musik neu war, aber sie klang frisch an diesem Abend und kein bisschen angestaubt. Und sicher war sie für viele der Zuhörer auch ganz neu, denn erfreulicherweise gab es auch etliche jüngere Fans im Publikum. Perfekt beherrschten Bernd Suchland und Max Hacker ihre Instrumente, spielten die Themen unisono oder zweistimmig an und hoben dann ab zu ausgedehnten, einfallsreichen Soli. Ob Swing, Hard Bob oder Blues – ja sogar der Bolero kam vor: Immer hatte ihr Spiel Seele und Verstand zugleich. Besonders reizvoll: die gelegentlichen Frage-und-Antwort-Duelle über acht oder zwölf Takte. Und immer blieb das Spiel der beiden Solisten elegant, nie packte sie der Ehrgeiz, die Grenzen der Möglichkeiten ihrer Instrumente Richtung Free-Jazz zu überschreiten. Schwerarbeit geleistet Aber was wären zwei noch so hervorragende Solisten ohne eine gute Rhythmusgruppe, allen voran der Pianist Dan Robin Matthies, der solide begleitete und zahlreiche schöne Soli beisteuerte. Am Bass leistete Lars Gühlke sichtlich Schwerarbeit, und Tilman Person legte das immer verlässliche rhythmische Fundament. Beide hatten mehrfach Gelegenheit zu interessanten Solopartien. Das Publikum regierte aufmerksam, honorierte die solistischen Beiträge mit viel Applaus und zeigte sich am Schluss nach zwei Zugaben begeistert und hoch zufrieden mit diesem Berliner Quintett und dem gemeinsamen Ausflug in eine goldene Jazz-Ära. ©

Dewezet 27. Januar 2008