Zwei schrille Gentlemen baten zur Blödel-Orgie

Grandioses Duo: ‚Nachtausgabe’ mit dem Wall StreetTheatre
Von Karin Rohr

Hameln. Für brüllendes Gelächter sorgt allein schon ihr Anblick: Vom Pomadescheitel bis zum Sockenhalter wirken die hornbebrillten Gentlemen im knitterfreien Anzug, die am Montagabend als Herr Schultze und Herr Schröder die Bühne im rappelvollen „Lalu“ betreten, wie die geschniegelte, moderne Inkarnation des schrulligen Slapstick-Duos Dick & Doof.
Bei den Komikern Christian Klömpken (Herr Schultze) und Andreas Wiegels (Herr Schröder) vom Wall StreetTheatre endet schon das gegenseitige Händeschütteln zum Auftakt in einem furios ad absurdum geführten, Lachmuskel-beutelnden Fiasko: Verrenkte Glieder, verhedderte Körper – Chaos pur.

Beinharte Akrobatik und britischer Humor
Doch was da so scheinbar tapsig daherkommt, ist beinharte Akrobatik mit feinstem Gespür für Balance und von der Pike auf erlerntes Können, das dieses großartige Duo an der Nationalen Britischen Circus- und Theaterschule „Fool Time“ erwarb. Und so sprechen Herr Schultze und Herr Schröder in ihrer mit britischem Humor gewürzten Show voller Nonsens, Artistik, skurriler Blödel-Orgien und hochnotkomischer Peinlichkeiten zum Entzücken des Publikums denn auch konsequent Englisch.
Und britisch blieb’s von der ersten bis zur letzten Minute in dieser Dewezet-„Nachtausgabe“ – egal, ob die beiden „dear old friends“ höflich kleine Gemeinheiten austauschten, sich selbst und das Publikum auf die Schippe nahmen oder sich in erheiternder Einigkeit an deutscher Präzisionswut und „German humour“ delektierten. Dabei sind Mimik und Gestik dieses Duos so beredt, dass man keine profunden Englisch-Kenntnisse besitzen muss, um die Geschehnisse auf und auch vor der Bühne verfolgen zu können. Immer wieder suchen Herr Schultze und Herr Schröder den Kontakt zum Publikum und beziehen es gar in ihre Akrobatik ein, wenn sie sich einen „free Willy“ auskucken, der als Herr Schmitz für den „ultimate act“ seine Schultern hinhalten muss. Jubel und brandender Applaus vom Publikum. Und der einhellige Wunsch: Bitte mehr!

Dewezet 08. Mai 2002