Ehegeschichten - und zärtliche Gefühle

Traute Römisch - und am Boden: Rainer Steinkamp
Nehmen wir mal die bäuerliche Werbung. Rainer Steinkamp hängt das Sakko weg und krempelt die Ärmel hoch. Also der Bauer nimmt seine Angebetete wahr, wirft sich vor ihre Füße (Steinkamp geht widerwillig bäuchlings auf die Bretter) und imitiert Tiere im Liebesgeflüster. Das Publikum ist angesichts dieser schauspielerischen Leistung hingerissen. Traute Römisch hat ihrerseits als Bäuerin zunächst darauf zu achten, dass sie für das Objekt ihrer Begierde sichtbar ist. Auch sie brilliert in ihrer Rolle und das Publikum bricht in Lachen aus. Sowieso sind die meisten Geschichten, die die beiden Protagonisten ausgewählt haben, von starker humoristischer Note. Wer kennt nicht die Angst des Mannes, wenn er unterschwellig befürchtet, sein Ego käme in der Ehe zu kurz? Denn: sich auf den Rücken legen, bedeutet Unterwerfung und sie kann mit ihm machen, was sie will! Hat er ihr erst die Pfände der ewigen Liebe gekauft, also den Ehering überreicht, dann geht sie los und kauft zwei Bettbezüge. Die Ehe ist vollzogen.
Romantisch kommt dieser Status daher, wenn Rainer Steinkamp "Ganz in Weiß" spricht. Nicht singt. Kaum verständlich, aber super interpretiert, gibt sich Hamelns Theaterdirektor als betrunkener Hamburger, der im bodenständigen Stil versucht, ein Mädel herumzukriegen. Wunderbar die Feststellung, dass man nicht logisch, sondern verheiratet ist. Gilt das als Entschuldigung dafür, dass selbst Semmelknödel zum Streitpunkt werden können? Vermutlich ist spätestens da die erste Verliebtheit verschwunden. Im zweiten Teil der Ehegeschichten verspricht es wieder spannend zu werden. "Denn dem Namen nach richten sich die Frauen nach ihren Männern." Eine viel versprechende Ausgangsposition".