Immer für eine Überraschung gut

Hamelner Coffee House Jazzband bietet bei ihrem Traditionskonzert im Lalu mehr als Dixieland-Klänge

Hameln. Das Lalu im Hefehof scheint aus allen Nähten zu platzen. Kein Wunder, denn wenn die Coffee House Jazzer um den Posaunisten und Bandleader Alfred Finke zum Konzert „Zwischen den Jahren“ bitten, dann ist das für Jazzfreunde Pflichttermin und Hochgenuss zugleich. Ihr 35. Bühnenjubiläum feiert die Formation in diesem Jahr, im Lalu gastieren die Oldtime-Jazzer bereits zum 14. Mal in Folge. Und sind dabei immer für eine Überraschung gut.

„Stillstand ist Rückschritt“, sagt Alfred Finke. „Wie haben zwar noch die alten Gassenhauer, die das Publikum so liebt, im Programm, aber auch vermehrt Swing- und andere Nummern, sind also beileibe keine reine Altherren-Dixieland-Band.“ Was die Coffee House Jazzer dann präsentieren, verschlägt einem glatt den Atmen. Jede Menge Klassiker, reichlich Rags and Stomps stehen neben hervorragend präsentierten Titeln wie etwa „Blue Lester“, einer Lester Young Komposition, bei der Rainer Topp am Flügelhorn über sich selbst hinauszuwachsen scheint. Nicht nur beim „Sheik of Araby“ unterbricht spontaner Applaus des restlos begeisterten Publikums die herrlichen Soli von Udo Apportin am Bass, Ulli Gehl am Saxophon und Frank Stuckenberg am Banjo. Als dann bei „Back home again in Indiana“ die Musiker die Bühne räumen, um sie Martin Härtel für ein minutenlanges, furioses Schlagzeugsolo samt Jonglage von drei Bällen zu überlassen, gibt es kein Halten mehr. Schiere Begeisterung macht sich im Lalu breit. Im zweiten der drei Sets dann die Überraschung: Mit dem Akkordeonisten Lars Karrasch aus Eldagsen stellt Finke einen Meister seines Faches vor. Zusammen mit der Jazzband spielt er „Lady be good“, einen mitreißenden Samba „Tico Tico“ und zusammen mit dem Klarinettisten Ulli Gehl natürlich „Bei mir biste scheen“. Oldtime-Jazz, Swing-Rhythmen, Sambaklänge und Klezmer-Feeling, ein Abend, der in der Tat vieles für die Jazzfreunde bereithält.

Auch einen Moment des wehmütigen Innehaltens beim Gedenken an den verstorbenen Lalu-Tontechniker Jurek, dem Finke und seine Mannen einen traurig und gefühlvoll gespielten „Creole Love Call“ widmen. Ob „Summertime-Variationen“, Henry Mancinis „Moon River“ aus „Breakfast at Tiffany’s“ oder das zum Finale von Lars Karrasch gespielte französische Musette-Stück – der Abend hat gezeigt, dass sich die Coffee House Jazzband in den vergangenen Jahren rasant entwickelt und mittlerweile eine inhaltliche Bandbreite erreicht hat, die der Bedeutung des Jazz als Ausgangspunkt vieler heutiger Musikgenres absolut gerecht wird. Vom hohen technischen Standard und der immensen Freude, die die Musiker ihren Fans bereiten, ganz zu schweigen.

Von Ernst August Wolf

Dewezet 30.12.14