Spott über Gott und die ganze weite Welt

Im ausverkauften Lalu lässt Kabarettist Hans Scheibner weder Pointen noch Fettnäpfchen aus

Von Alda maria Grüter Hameln.

Von der Jeckensause – „dort haben die Hormone Salsa getanzt“ – in den so gar nicht frohsinnigen Hefehof: „Hallo? Es ist gar keine Stimmung hier.“ Von wegen nichts los – wäre doch gelacht, wenn einer der dienstältesten Kabarettisten Deutschlands nicht für gute Unterhaltung sorgen könnte. So ließ Hans Scheibner nichts anbrennen, als er am Freitag mit einem brandaktuellen Thema ins volle Haus schneite. Scheibner ging aufs Ganze, zumindest am Anfang des kabarettistischen Jahresrück- und -ausblicks: Bernd Busemann, betrunken durch Hannover kurvender Justizminister, musste als Erster daran glauben. Aber weil Scheibner eigentlich mit „etwas Normalem“ beginnen wollte, ließ er sich vom Publikum sicherheitshalber das Nichtvorhandensein von „Ausschnitten“ bestätigen. Was danach folgte: ein satirischer Rundumschlag im Wahljahr 2013 mit einer Fülle von Themen, die von A wie Alkohol bis Z wie Zeitarbeiter reichten. Dazwischen: Ekeltests für Politiker à la Dschungelcamp, Kanzlerkandidaten, Klagen über Gehälter, Armut, Herdprämie, bestechliche Mediziner, Ehealltag, tote Parteien, künstliche Befruchtung, Kirche und Lust, Feng Shui alias transzendentale Tupperdosen-Partys – kaum etwas aus Gesellschaft, Wirtschaft und dem Politkarussell, das Scheibner nicht aufs Korn nahm.

Wenn der 76-Jährige Bezüge zu alten Zeiten herstellte, über die „Revolution“ anlässlich des Baus der Startbahn West witzelte, verstand er es wunderbar, alte Hüte fein abgestaubt vorzuführen. Und neue, auch mit Lokalbezug, aus dem Ärmel zu zaubern – wie die Rettung eines Kindes aus einem Erdloch, ohne dass die Betreuerin an die behördlichen Auflagen und Formulare gedacht hatte. Und wie Scheibner spöttelte – klug, eloquent, zynisch – das nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gesang. Manchmal überraschte der Kabarettist mit herrlich spitzer Zunge und bösen Lachnummern – das hatte was. Oft fehlte auch etwas: der Biss nämlich. Etwa als Scheibner die nette Damenstimme aus dem Navigationsgerät bemüht, um jene Männer auf die Schippe zu nehmen, die den Anweisungen der Frau folgen, die nicht ihre eigene ist. In diesem Sinne: Die Pointe beim Thema Puff machte auch keinen wirklich an. Und die modernen Väter, die sich in der Geburtshilfe nicht nur praktisch bestens auskennen, sondern sich in dieser Disziplin lautstark messen – auch hier ging einem bestenfalls ein Schmunzeln über die Lippen. Wirklich aus dem Häuschen geraten konnte kaum einer aus dem überwiegend älteren Publikum.

Aber keine Frage: Dass Scheibner ein hervorragender Erzähler ist, hat er mehr als bewiesen. Und schließlich, was ganz bestimmt etwas hatte: die wunderbaren banalen Stories aus dem Alltag, die die Rentner Hermann und Hermine zum Besten gaben. Dewezet 11.02.2013