Kabarettist Fatih Çevikkollu präsentiert in der Dewezet-Nachtausgabe sein Bühnenprogramm

Hameln.

„Vati wie? Wie heißt der?“ Eine Frage, an die sich Fatih Çevikkollu längst gewöhnt hat. Çevikkollu. Übersetzt so viel wie „starker Arm, also Armstrong“, witzelt der Kölner, Jahrgang 1972. Der „echt kölsche Jung“ lebt in Köln-Nippes, ist dennoch ein Wanderer zwischen zwei Welten. Ein Integrations-Musterschüler, der erste Türke, der auch als Büttenredner im Kölner Karneval auftrat. Dem bundesdeutschen Millionenpublikum aber ist Fatih Çevikkollu wohl eher als der türkische Kiosk-Handlanger aus der Comedy-Serie „Alles Atze“ mit Atze Schröder bekannt. Im Rahmen der Reihe Dewezett-Nachtausgabe zeigt sich Fatih Çevikkollu jetzt von einer ganz anderen Seite.

Im gut besuchten Lalu im Hefehof stellt der Kölner sein bislang drittes Kabarett-Solo-Programm „Fatih unser!“ vor. Nach einem als kleinem Hörstück inszenierten Verkehrsunfall stolpert Fatih Çevikkollu im schneeweißen Anzug auf die Bühne. „Wo bin ich? Im Paradies? Vor Gott?“ Im Folgenden setzt Çevikkollu alles daran, den Allmächtigen zu überzeugen, dass er auf der Erde noch Wichtiges zu erledigen hat. Zweimal 45 Minuten Redefluss der Extraklasse plätschern auf das hoch amüsierte Publikum ein. Was Fatih Çevikkollu da scheinbar spielerisch und frei assoziierend vorträgt, knüpft an beste Traditionen deutscher Stand-up-Comedy an, lässt an Legendäres von Dieter Hildebrandt, Wolfgang Gruner oder Georg Schramm und anderen denken. Sicherlich ist auch Politsatire dabei, schließlich ist Wahlkampfzeit, aber Fatih Çevikkollu setzt die Akzente eher im Persönlichen, nimmt den grassierenden Schönheitswahn ebenso auf die Schippe wie Handwerkersprüche und neue Medien. („Facebook, das ist organisierte Einsamkeit!“) Dabei erweist sich der Kölner als exzellenter Schauspieler, dem die kölsche Mundart absolut sicher von der Zunge geht und der mit Gesten, Blicken und vor allem mit seinen schlagfertigen Reaktionen auf das, was im Publikum vorgeht, zu begeistern weiß. Mit Feststellungen wie „Du da unten siehst nur einen Bekloppten, ich aber …“ erregt er ultimative Heiterkeit. Mitunter gerät sein improvisierter Vortrag auf Umleitungen, und die achselzuckende Beantwortung seiner Frage „Wo war ich?“ durch die Dame in der ersten Reihe wird mit einem mahnenden „Also, du musst schon aufpassen!“ quittiert. Online- und Schönheitswahn, Charaktergenies wie das des von ihm verehrten Helmut Schmidt („ein Beispiel für lebende Selbsteinäscherung“), vor allem aber das Gefühl, „dass sich da was in unserer Gesellschaft verschiebt“, kennzeichnen sein Programm. Der „wilde Osmane“ erweist sich als gesellschaftlicher Seismograf von höchster Sensibilität.

Fatih Çevikkollu ist weder ein spaßlastiger Kaya Yana noch ein respektloser Serdar Somuncu. „Kabarett soll den Menschen angucken“, verrät er. Der Brechtsche „soziale Gestus“, das ist es, was Fatih Çevikkollu interessiert. Und das, was ihn so faszinierend macht. Ein Fatih mit viel Mutterwitz: Comedian Çevikkollu auf der Bühne des Lalu.eaw

Dewezet 18.09.13 Von Ernst August Wolf