Weihnachtsausgabe Klassik mit W. Kohlhausen

Eine Reise ins Reich der Besinnlichkeit Harmonisch: die „Dewezet Nachtausgabe“ mit Wolfgang und Thomas Kohlhaußen im Lalu

Von Andrea Gerstenberger Hameln.

Alle Jahre wieder ist plötzlich Weihnachten! Und was uns in Kindertagen so mit Vorfreude erfüllte, lässt uns heutzutage in den totalen Stress der Adventszeit verfallen. Hektische Einkäufe, die einer „Shopocalypse“ gleichen, stressige Vorbereitungen und zahllose feuchtfröhliche Weihnachtsfeiern. Dieses so gar nicht besinnliche Szenario zeichnete Wolfgang Kohlhaußen zu Beginn des literarischen Konzertes am Montagabend in der Lalu Traumfabrik. Aber alle Jahre wieder ist Gott sei Dank auch die letzte „Dewezet Nachtausgabe“ vor dem Fest – ein Abend mit dem Violinisten und seinem Bruder Thomas am Piano. Und so gab es für ein treues Stammpublikum zwei Stunden Programm mit zarter, gefühlvoller Musik und den so begehrten Geschichten, die ein ganzes Jahr lang gesammelt, heiter und dennoch nachdenklich machend, auf das Fest einstimmten. Mit Musik verzaubert Kästners „Eisenbahngleichnis“ und sein „Interview mit dem Weihnachtsmann“ ließen die Welt draußen ebenso vergessen wie Robert Gernhardts „Die Falle“. Auf Augenhöhe mit dem Publikum und mit einer wunderbaren Erzählstimme las Wolfgang Kohlhaußen von der „Christnacht“, erzählte von den Schmitz, die Weihnachten ausfallen lassen wollten und doch nicht konnten, oder dem alljährlich früher beginnenden Wettrüsten der Kaufhäuser für die Schlacht um den letzten Cent der werten Kundschaft. Dazwischen verzauberten die beiden Herren mit Musik von Dimitrij Schostakowitsch sowie Sergej Rachmaninows Andante Cantabile. Und was konnte passender sein als Astor Piazzollas „Der Winter“. Ein besonderer Höhepunkt war zweifellos auch Ernest Blochs „Fantasia“. Das perfekte, gefühlvolle Zusammenspiel der Brüder kam hier besonders gut zum Ausdruck. Der ganze Abend: eine gelungene Mischung. Spontan zusammengestellt und doch so ausgewogen harmonisch, wie man es sich für eine Reise aus dem Alltag in das Reich der Besinnlichkeit nur wünschen kann. © Dewezet 12. Dezember 2007