Lesung "Hats geschmeckt" Römisch/Steinkamp

Ein grandioser Schlagabtausch Traute Römisch und Rainer Steinkamp im Lalu

Von Edith Handelsmann Hameln. Dewezet 01.10.2007

„Ich habe Hunger!“ Traute Römisch tritt rigoros für ihr Recht, essen zu müssen, auf die Bühne im Lalu: „Ich will was zu essen!“ Rainer Steinkamp hat es nicht leicht, sie am Freitagabend im Zaum zu halten. Um seine renitente Kollegin vorübergehend mundtaub zu machen, ordert er beim Thekenpersonal eine Tasche voller Einkäufe. Ob das ausreichen wird? Das Toastbrot erweckt kein Vertrauen und so widmet sich die Künstlerin wieder anderen Themen. Wozu ist der Mund da? Natürlich zum Küssen… und zum Essen! Steinkamp kontert mit einem „Konfuzius sagt“: „Beischlaf und Essen sind die beiden großen Begierden eines Mannes!“ Und Madame Pompadour meinte ihrerzeit: Die Liebe eines Mannes wird im Bett gewonnen… und am Tisch erhalten! Der Schlagabtausch der Beiden ist grandios und das Publikum im voll besetzten Raum hingerissen. Das Thema ist vorzüglich getroffen, geht es doch um Geschichten rund um den Gaumengenuss. Dass dieser auch negative Seiten haben kann, zeigt die Geschichte der Mary Malony. Die erschlug ihren mit Trennungsgedanken behafteten Polizistengatten mit einer tiefgefrorenen Lammkeule. Seine Kollegen taten bei der Beweisaufnahme das, was sich jeder Mörder wünscht: die Tatwaffe aufessen! Klasse Geschichte, wunderbar vorgetragen von Traute Römisch. Eine tolle Konstellation, die für Heiterkeit sorgt Rainer Steinkamp erwies sich einmal mehr als Mann, der sich keinen Spaß entgehen lässt. Zunächst litt er Qualen, als er auf einer fremden Toilette die Klobürste derart im Rohr versenkte, dass er mit Fäkalien besudelt zur Gastgeberin zurückkehren musste. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände, ein jeder litt mit ihm. Auch war er sich nicht zu schade, mit einer rosafarbenen Kittelschürze im Publikum Gummibärchen zu verteilen. Mit nackten Beinen – ein wahrhafter Brüller! Nicht nett wurde er verbraten im Rezept „Theaterintendant im Reisrand“. Er nimmt es mit Humor und mimt den Süßigkeitenabhängigen, der seine Frau böse anmacht, weil sie es nicht versteht, das Rohmarzipan besser zu verstecken. Demonstrativ sauer stopft er sich die Backzutat ins Gesicht. Traute Römisch lässt das kalt, sie gibt sich an diesem schönen Abend keck, verspielt, manchmal etwas zickig und schadenfroh. Eine tolle Konstellation, die für große Heiterkeit sorgt.