Kompakter Kunstgenuss: Ein Fest für die Sinne Geglückte Premiere: Varieté-Dinner im "Lalu" begeisterte das Publikum / Programm auch im WBZ

Von Karin Rohr
Hameln. Applaus ist des Künstlers schönster Lohn. Um ihn buhlt er beim Publikum. Brandet er auf, hat er gewonnen. Kein Problem für Csaba Mehes. Der nonverbale ungarische Komödiant, der so schüchtern, verklemmt und liebenswert tolpatschig wie der britische "Mr. Bean" ist, hatte sein Publikum im "Lalu" im Griff - Applaus inklusive. Den fing er sich mühelos als Dirigent mit Gespür für rhythmische Strukturen ein und zauberte so zum Ausklang eines fesselnden Varieté-Abends voller magischer Momente, akrobatischer Eleganz und zündendem Wortwitz ein virtuoses Applaus-Konzert.

Kompakten Kunstgenuss gab's am Mittwochabend im Hefehof bei einem erlesenen Varieté-Dinner, das mit einem Vier-Gänge-Menü aus der Küche des Schlosshotels Münchhausen, mit virtuoser Comedy, Artistik und Wortjonglagen die Sinne verwöhnte. In ein Lichtermeer aus Kerzen getaucht: der festlich eingedeckte Saal des "Lalu". "Eine Premiere", so Dr. Jobst-Walter Dietz, der als Hausherr im Hefehof dieses erste Varieté-Dinner auf die Beine gestellt hatte, bei der Begrüßung der 130 Gäste. Eine geglückte Premiere.

Furios schon der Einstieg mit Moderator Matthias Brodowy: Wortgewandt, bissig und mit
pointiertem Witz nahm dieser Meister der flinken Zunge gesellschaftliche und politische Befindlichkeiten aufs Korn, mäkelte an deutscher Rechtschreibung und "denglischer" Sprache herum, pries die wilden 70er mit "Meister Propper" und einem Fernsehsendeschluss, der noch die Chance zur freien Entfaltung ließ, drosch auf Kirche, Bahn und Politiker ein und den furchteinflößenden "Godfather of Pisspott" im Toilettentrakt der Autobahnraststätte. Jeder bekam sein Fett weg - die vom Schlankheitswahn getriebene Frau genauso wie der von keinerlei Selbstzweifeln gebeutelte Mann mit dem unübersehbaren Brauereigeschwür oder die Blöckflöten-trötende Kinderschar, die zur Adventszeit in Seniorenheimen armen Alten, die sich nicht wehren können, die Ohren vollfiepen.

Atemlose Stille beim Duo Ogor: In der Ruhe liegt die Stärke von Milana und Mariusz, die im
equilibristischen Balance-Akt Harmonie und Sinnlichkeit in Zeitlupe verströmten. Adagio-Akrobatik in Vollendung. Ebenso kraftvoll-dynamisch wie lyrisch-zart: Cosmic Mary am Trapez, die mal kühle Eisprinzessin, mal glutvoller Feuerteufel mit artistischer Eleganz Stimmungen erzeugte. Alle Gesetze der Anatomie scheint Davaana Jargal auszuhebeln, wenn sie sich mit zarter Grazie verbiegt. Die schier unglaubliche Körperkunst dieser mongolischen Kontorsionistin zog die Zuschauer im "Lalu" in ihren Bann. Fast andächtig das Staunen im Publikum: "Wie macht die das bloß?"

Zwischen all diesen Kunstgenüssen gab's kulinarische Köstlichkeiten aus der Küche des Schosshotels Münchhausen, mit logistischer Perfektion auf den Punkt serviert: Ein Mosaik von schottischem Wildlachs und Heilbutt mit Rucolapesto und Crostini. Ein Süppchen von mediterranen Gemüsen mit Knoblauch-Kräutercroutons. In Barolo geschmorte Ochsenbäckchen auf Kartoffelmousseline und Gemüsegratin. Und als krönender Abschluss ein Topfenmousse mit eingelegten Zwetschgen und Orangeneis.
Ein Fest für Gourmets und Varieté-Fans. Mit demselben Programm gastierten die Künstler gestern im Weserbergland-Zentrum. Wer's verpasst hat, hat heute noch die Chance auf wunderbares Varieté im WBZ.

© Dewezet, 02.12.2005