Generationenübergreifend von siebzehn bis siebzig "Franny& the Fireballs" und "Suzie& the Seniors" sorgten in der Traumfabrik im HefeHof für Schwung

Bombenstimmung im Lalu mit Franny& the Fireballs. Foto: balz

Von Dorothee Balzereit
Hameln. Was muss in Hameln passieren, damit Menschen ihre Sakkos in die Ecke werfen und twisten, bis der Po den Boden berührt? Mitsingen oder summen und bei jedem neuen Song ein leidenschaftlich verzerrtes Mienenspiel zu beobachten ist? Und das in einer generations- übergreifenden Spanne von siebzehn bis siebzig.

Solches geschieht, wenn Franny& the Fireballs und Suzie& the Seniors (die gleiche Truppe mit weiblicher Verstärkung) die Bühne entern. Nachdem die Band und ihre charismatische Sängerin schon in den vergangenen zwei Jahren für Furore im Lalu sorgten, war die Traumfabrik auch diesmal restlos ausverkauft.

Traumfabrik-Betreiber Dietz hatte zum Verschnaufen in weiser Voraussicht auch in der (Shopping-)mall Tische und eine Sektbar aufgebaut, an der man sein Mütchen kühlen konnte. Das, was den Leuten so in die Glieder fährt und gute Laune macht ist Rock'n Roll der 50er und 60er Jahre, stilecht und gekonnt gecovert.

Seit 34 Jahren ist die Hamburger Band Franny& the Fireballs "on the road" und kein bisschen müde. Gepackt hat es Bandbegründer Ralf "Franny" Hartmann und seinen Bruder Knut im berüchtigten Hamburger "Star Club" in dem die Musik gespielt wurde, vor der die Hamburger Presse einhellig warnte.

Nach der Band-Gründung 1973 ging es rasant bergauf: Tournee mit Little Richard, Begleitband von Ted Herold, Begegnung mit Bill Haley und mit dem Elvis Musical durch Europa. Im Lalu wird kaum ein Hit der legendären Aera ausgelassen: Von Fats Domino über Bill Haley ist alles dabei, was das Rockabilly-Herz begehrtund akrobatische Einlagen gibt's bei der Bass-Bearbeitung obendrein: Mal liegt Olaf auf dem Instrument, mal unten drunter und er kann sogar noch spielen wenn Saxophonist Michael sich oben drauf setzt. Natürlich lässt sich auch der E-Bass in Käferstellung spielen und für das Solo des Drummers Doc werfen sich die anderen selbstredend auf die Erde.

Angeheizt von der pushenden Mischung aus Country, Rhythm'n Blues und Doo Wop, ist das Publikum reif für Suzie: Sie bringt die Traumfabrik mit dem Beat der Sixties zum Schäumen. Bei Beatles, Animals, Monkeys und Oldies wie "Black is Black" oder "I'm a Believer" verlieren die letzten Unentschlossenen jede Hemmung.

Dabei legt Suzie ein rasantes Tempo vor, nicht viel reden, sondern Mucke machen ist ihr Motto. Die Frontfrau der Seniors ging 1989 mit "Susies Schlagersextett" an den Start, zu dem auch Olli Dittrich (Dittsche, Samstag Nacht) fünf Jahre lang gehörte. Mit deutschem Liedgut der 50er, 60er, 70er ebneten sie Guildo Horn und Dieter Thomas Kuhn den Weg. Seit 1997 ist Knuts Tochter Patricia alias Suzie das glamouröse Zugpferd der Seniors.

© Dewezet, 19.12.2005