Kraftvoll und voluminös: Big MamaGospel-Sextett baten im HefeHof in den

Golden Train der Nachtausgabe
(09.09.04 Dewezet)
Dorothee Balzereit Hameln

In der Mitte: Das energetische Zentrum, kraftvoll, voluminös. Big Mama. Sie wie Satelliten umkreisend, gefühlvoll, dynamisch, voller Rhythmik: Die goldenen sechs. Das internationale Gospel-Sextett, deren Mitglieder aus Rumänien, Nigeria, Chicago, Colorado, und der Karibik stammen, bitten in den „Glory-Train“ der Dewezet-Nachtausgabe. Die Gäste im rappelvollen Lalu steigen ein in den Zug, der schon lange unterwegs ist und lassen sich gefangen nehmen von der mitreißenden Magie schwarzer Rhythmen und weißer Melodik.

Wird am Anfang noch treudeutsch auf eins und drei geklatscht, passt man sich im Verlauf schnell den Zählzeiten auf zwei und vier und damit dem Rhythmusgefühl des Chores an. Alle Klassiker des Genres. Da haben es die vielen Stehenden dann besser, sie können sich frei bewegen, mitsingen und tanzen. Geradezu grandios erscheint es, als in der zweiten Hälfte des Konzerts die großen Seitentüren geöffnet werden, und melancholischer Gospel in den „industrial-design”- Gassen des Hefe-Hof-Geländes widerhallt. Alle Klassiker des Genres sind dabei, von „Out Of The Rain“, „Majesty“, „I'm Going On With The Lord“ über „Mighty High“, „Guide Me“ bis hin zu den Gospel Hits wie „Amazing Grace“, „He's Got The Whole World In His Hands“ und natürlich „Oh When The Saints“, das Big Mama so wunderbar „dreckig“ (oder doch lieber unsauber ??) einleitet, wie es meist nur schwarzen Sängerinnen vorbehalten ist.

Paulina Ionescu wie Big Mama mit bürgerlichem Namen heißt, hat den Chor 1994 gegründet und macht seitdem im In- und Ausland mit ihrer Truppe Furore. Aus der Flut der Gospelchöre, die seit den 90ern wie Pilze aus dem Boden schießen, sticht der multikulturelle Chor um die gebürtige Rumänin durchaus heraus. Das Wechselspiel von Big Mamas kraftvollem Timbre mit der zarten gefühlvollen Stimme von Debra Marquard ist ein genauso herrlicher Kontrast wie der schöne sonore Gesang des Pastorensohns Orlando O.J. Jimenez aus Chicago.

Mit ihrer freien Improvisation nehmen Patrick Omoregbe und Valentine Ifebuzor die Hürde von Off-Beat und Polyrhythmik, die „zu europäische“ Gospelchöre meist doch nur mangelhafte verinnerlichen. Begleitet werden die Sänger von Keyboarder Klaus Henatsch aus Hannover, wo der Chor ein Mal pro Woche probt. Besonders wichtig außerdem: Nicht die perfekte Aufführung, sondern die gemeinsame Begeisterung aller Anwesenden.