Hefehof – das Industrie-Denkmal wird zum Dienstleistungszentrum.

Dort, wo früher Backhefe für ganz Deutschland produziert wurde („Manchmal tropfte etwas auf den Boden, den Sie hier im Original sehen!“), werden heute vor allem Dienstleistungen erbracht – teilweise ebenfalls für bundesweite, in einigen Fällen sogar für weltweite Kundschaft. So exportiert die junge Firma Electronic Wood Systems – Mieter im Technologie- und Gründerzentrum (tgz) – 90 Prozent ihrer Produktion; das sind vor allem elektronische Messanlagen für die Spanplatten-Herstellung.

Die 120 Mitarbeiter im Call Center des BHW beantworten aus dem Hefehof heraus pro Jahr 500 000 Anrufe und zehntausende E-Mails von Bausparern. Die Firma OPP TEC erdenkt in dem historischen Industrie-Ambiente staubfreie Räume für Hochtechnologie-Unternehmen. First AEC im ersten Stock der früheren Jugendwerkstatt versucht als Vertriebsfirma für Bau-Software an die anfänglichen Erfolge der mb Software AG anzuknüpfen. Im Erdgeschoss bereiten sich derweil die Zahnärzte Dr. Gaby Vollen thun und Dr. Frank Friedrich auf die Eröffnung ihrer lichtdurchfluteten Praxis am 26. April vor; sie sind bereits für drei Monate ausgebucht. Der Steuerberater Sticher hat im Hauptgebäude ein, so Dietz, „in dieser Form bis Hamburg einzigartiges“ Groß-Büro eingerichtet – mit einer Galerie über der halben Grundfläche und einer kunstvollen Innenarchitektur.

„Ich bin sehr angetan, was sich am Hefehof bewegt hat“, lobt Ratsfrau Ursula Wehrmann (Grüne). Klaus Nolting (SPD) ist begeistert, „was dort alles läuft“. Sein FDP-Kollege Hans Wilhelm Güsgen freut sich, dass sich „so viele auf die Zukunft ausgerichtete Firmen“ im Hefehof angesiedelt haben – und dort glücklich sind. „Der Hefehof ist sehr attraktiv. Wir fühlen uns hier sehr wohl“, versichert zum Beispiel Julia Steins, die Leiterin des BHW-Call-Centers.

Monika Stork-Meier (CDU) sieht beim Hefehof-Betreiber ein Umdenken, das möglicherweise mit den Planungen für das ECE-Einkaufszentrum am Pferdemarkt zu tun habe. Nachdem sich die Shopping Mall im Hefehof nicht wie gewünscht entwickelt hat, wird die Kompetenz als Dienstleistungszentrum in den Vordergrund gerückt – und „dieses Konzept geht auf“, ist die Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses überzeugt. Die Politiker loben Dietzens Kreativität und Mut. Selbst Skeptiker Fritz Rieger (Bürgerliste) sieht für den Hefehof gute Chancen.

Jobst-Walter Dietz hat in den vergangenen Jahren gemerkt, dass nicht alle Pläne aufgehen. Doch mit einer Abwandlung des Rezeptes lassen sich mitunter doch noch Leckerbissen fabrizieren. Dietz versichert: Er hat noch einige Zutaten, die den Hefehof in den nächsten Jahren noch besser werden lassen.