Der bösen Schwestern „Abgesang auf Leisegang“

Lalu: „Abschied ist ein schweres Schaf“
(Dewezet, 02.11.2004)
Von Jörn Tölke Hameln.

Mit einer schlechten Nachricht eröffneten die alten Damen vom Singkreis „Nähen für den Hunger“ ihr Programm „Abschied ist ein schweres Schaf“, im Lalu. Frau Leisegang ist tot. Somit musste das Programm mit Liedern für Gitarre, Horn, Tamburin und Bratsche leider ohne die Bratsche auskommen. Ein Umstand der die Damen Palmerova, Anderson und Gibbert, dargestellt von dem Travestie-Trio „Die bösen Schwestern“ aus Hannover, veranlasst, diesen Abend „in Memoriam Josefine Leisegang“ zu gestalten.

So spielen sie die von der Ex-Kollegin Leisegang ausgewählten Lieder und lassen ihre „Freundin“ und ihr Leben Revue passieren. Die beruflichen Stationen als Kulturdezernentin oder als Nonne in Afrika werden aufgearbeitet und führen zu dem Resümee, dass die gute Josefine, aufgrund ihrer höchst eigenen Denkweise, immer wieder gefeuert wurde.

Dennoch gibt es aus allen Stationen ihres Lebens Erinnernswertes zu berichten. Diese Berichte und Erinnerungen geraten zum „Abgesang auf Leisegang“ und entlockten den Zuschauern, im mehr als ausverkauften „Lalu“, ein ums andere Mal Lachsalven. In den Liedern, wie auch im sprachlichen Teil bereiten die drei „Damen“ durchaus kritische Themen auf und verpacken sie in die liebenswerte und leicht trottelige Art der Charaktere.

Es werden Themen, wie Aids oder BSE auf die Schippe genommen, dennoch wirken die Texte und Darbietungen nie peinlich oder „platt“. Die Bühnen-Charaktere von „Anita Palmerova“, „Magda Anderson“ und „Frau Gibbert“ werden von den Darstellern Chris Palmer, Adrian Anders und Stefan Gudat auf höchst bemerkenswerte Weise mit Leben befüllt.

Selten erlebt man, dass kritische Themen derart nett und lustig verpackt werden. Die „Bösen Schwestern“ haben ihren eigenen Stil gefunden, ihr Publikum in ihren Bann zu ziehen und die kleinen Anekdoten und Gemeinheiten, die das Leben mit sich bringt, zu präsentieren.

So erstaunt es niemanden, dass sich die zahlreichen Besucher dieses „Liederabends“ bestens unterhalten fühlten. Schließlich gab es nicht nur anrührendes, sondern auch pädagogisch wertvolle Hinweise, die allesamt mit der brachialen Komik dieses herausragenden Travestie-Trios zu einem Paket verschnürt wurden, das beste Unterhaltung bot.