Marcus Jeroch Foto: dor

Eingehüllt in die weiße Staubwolke seines gepuderten, an Einstein erinnernden Hauptes, verwirrt er das Publikum mit kühnen und beunruhigenden Sprachverformungen, die aber auch die Lust zum Mitmachen wecken. Bei den genialen „Wortschöpfunken“ bekommt der Begriff Sprachfluss eine wortwörtliche Bedeutung, während die Grammatik Urlaub macht, und die Sprachgesetze fremdgehen. „Unserer Worte Sklav(w)en(n) wir das nicht vermöchten...“, schachtelt Jeroch fröhlich, und stellt die Zuhörer immer wieder vor die Frage, was war zuerst da: Motiv oder Tat? Zusammenhang oder Bedeutung? Ob oder Wieso? Sicher ist: „Am Anfang war das Wort. Dann jedoch brachen sie das Wort und aßen das Erbrochene...“.

Sezierendes Gründeln und feinsinnige Zynismen in scheinbar sprachlicher Anarchie. Schwarzes von Jojo Weiß, verrenken mit Jandl und erholen mit der Worttouristik von Kändler. Für den Erfinder des „Wowoismus“ ist Jeroch der kongeniale Partner, der Sprachjonglage konkret macht, die Travestie des Wortes in geschliffener Diktion dem Höhepunkt entgegen treibt. Als Grenzgänger zwischen Sprach- und Körperkunst gönnt er dem Publikum auch non-verbale Verschnaufpausen und unterhält mit grandioser Jonglage. Die Kunde, „dass die deusche Sprache ohne „T“ ohne Saf und und Kraf ist“, erheitert das Publikum, das auch nach drei Zugaben noch nicht satt ist.